Terra Madre – Mutter Erde. der Weltkongress der Lebensmittelbündnisse zeichnet die Vision von gerechter Entlohnung der Landwirtschaft durch die Schaffung von Wertschätzung für die Produkte der Landwirtschaft durch die Verbraucher dieser Produkte, also Konsumenten, Köche, Verarbeitende Betriebe. Man wendet sich nicht gegen die Industrie aber gegen die Folgen rücksichtloser industrieller Methoden: Beim Anbau und bei der Verarbeitung.
Erhaltung traditioneller Methoden und Sorten/Rassen sind die wichtigsten Ziele der Slow Food Bewegung und die gibt es inzwischen Weltweit. Besonders stark ist Slow Food in Italien, USA, Japan und Deutschland. Slow Food zeigt aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger auf stereotype Feindbilder sondern zeigt die Alternativen auf: Echter Geschmack, echter Genuss, gesundes Essen, sauberer Wein.
Deshalb ist der Salone del Gusto und auch Terra Madre vor allem dem Genuss gewidmet und wird auch so genutzt: Überall wird verkostet, gegessen, getrunken und gekauft. In der Halle der SlowFood Presidi oder auch Förderkreise genannt Zeigen von SlowFood geförderte Hersteller (Unternehmnen, Vereine, Stiftungen) besondere, vom “Aussterben” bedrohte Produkte aus ALLER Welt von Ostasien, über Balkan, Nordeueropa, Afrika bis nach Amerika. Mit dem Ziel Märkte, eine Nachfrage nach diesen archaischen Produkten zu erzeugen.
Dabei fand ich Überraschendes und Dinge die ich als Lebendsmittel-Profi, der normalerweise seine Warenkunde kennt, noch nie erahnt hatte: z.B.: Köstliche Räucherkäse in hübscher Spindelform gepresst aus Polen. Perry aus England, die Birnen-Variante von Cider mit tollen Aromen und dann ähnlich und doch wieder ganz anders: Deutscher Schaumwein aus der Champagner-Bratbirne. Seltene Gewürze und Nüsse, ungeahnte Käsesorten aus Kirgisien und Kasachstan. Dieser Teil war auf engem Raum am dichtesten gespickt mit Neuem und Interessantem.
In den anderen sonst thematisch nach Produktgruppen gegliederten Hallen fand man Hunderte Anbieter von luftgetrockneten traditionellen Schinken und Wurstspezialitäten. Viele Schokoladenveredler, unzählige Käsestände, nach Ländern und tolle Erfahrungen wie z.B. ein Bereich der sich nur mit italienischen (!) Speitzenbieren ganz ausgezeichneter Qualität und von köstlichem Geschmack befasste. Ich habe den Schleswig-Holsteiner Kollegen von FeinHeimisch Maximilian Bruhn dort auch getroffen und ihn auf Kooperationsmöglichkeiten mit Gleichgesinnten hier in Mecklenburg-Vorpommern hingewiesen. Er stand dort mit seiner ausgezeichneten Auerochsenwurst, die wie er mir erklärte aus Versehen entstanden ist als man versuchte ein Naturschutzgebiet von den Tieren freifressen zu lassen. Es gabe auch Aussteller aus Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen, die meist gefördert von Ihren Ländesregierungen das waren und und einen Teil dessen zeigten was Deutschland an Esskultur zu bieten hat.
Während der ganzen Messetage fanden von morgens bis spät abends auf die Messe und ganze Umgebung verteilt einzelne Veranstaltungen, Vorträge, Verkostungen und Essen statt in einer Fülle und Vielfalt wie man sie kaum erfassen konnte. Es war sehr viel Hochinteressantes dabei und sicher auch viele hochbefriedigende Geschmackserlebnisse. Mein Koch-Event mit Raffaele Canizzaro und Marcello Fabbri war auch auf dieser -zig Seiten umfassenden Liste zu finden:
Diese Veranstaltung ist definitiv ein lohnendes Ziel für alle ernsthaft an guten Essen Interessierte und Genießer aller Couleur und Herkunft kommen auch schon dazu. Man wird in Zukunft sicher mehr davon auch in den Medien hören.
Euer Tillmann Hahn
Küchenchef
P.S.: Habe gerade erfahren, daß er da ist der Michelin-Stern für unser Gourmet-Restaurant Der Butt in der Yachthafenresidenz Hohe Düne in Warnenmünde!!!!!!!! Yippie, das mus gefeiert werden!
< zum vorherigen Beitrag — zum nächsten Beitrag >
Bis jetzt noch keine Kommentare
RSS-Feed für Kommentare dieses Beitrags – Die Trackback-Adresse
Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können.
Mittwoch, 08. Februar 2012